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© Charité | Janine Oswald

Clé bündelt Sprach- und Bildmodelle für Krankenversorgung, Forschung, Lehre und Verwaltung – betrieben vollständig auf Charité-eigenen Servern.

Die Charité nimmt ihre eigene KI-Plattform in Betrieb – gebaut von einem Berliner Spin-off
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Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat eine eigene KI-Plattform gestartet. „Clé“ steht Mitarbeitenden in Krankenversorgung, Forschung, Lehre und Verwaltung zur Verfügung und läuft vollständig auf Charité-eigenen Servern. Nach Angaben des Hauses ist das an deutschen Universitätskliniken bislang einmalig.

„Nach unserem Kenntnisstand ist die Charité die erste Universitätsmedizin in Deutschland, die eine eigene KI-Plattform mit mehreren Sprach- und Bildmodellen komplett auf eigener Infrastruktur betreibt – nicht als Pilot in einzelnen Abteilungen, sondern flächendeckend“, sagt Prof. Alexander Meyer, Leiter des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin (IKIM) und Initiator des Projekts.

Eine Umgebung, vier Einsatzbereiche

Clé bündelt mehrere austauschbare KI-Modelle, eine Chat-Oberfläche, die Verarbeitung von Texten, Bildern und PDF-Dokumenten sowie eigene Wissenssammlungen. Über Programmierschnittstellen können Forschende und Fachbereiche die Modelle in eigene Anwendungen und Arbeitsabläufe einbinden. Zentrale Anmeldung, technische Schutzmechanismen und die Protokollierung der Nutzung sollen für einheitliche Sicherheitsstandards sorgen.

Der entscheidende Unterschied zu externen Diensten: Mitarbeitende können mit internen Dokumenten und dienstlichen Informationen arbeiten, ohne sie an Anbieter außerhalb der Charité zu übermitteln. Begleitet wird der Einsatz von verpflichtenden Schulungen und einem schrittweisen Rollout.

„Eine in jeder Hinsicht sichere KI-Infrastruktur ist gerade angesichts der aktuellen Diskussionen ein entscheidender Fortschritt für die gesamte Charité“, sagt Prof. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité. „Damit treiben wir die digitale Transformation voran und legen die Basis für künftige, KI-gestützte Prozesse.“

Entlastung im Alltag – ausdrücklich keine Diagnostik

In der Krankenversorgung soll Clé bei klinisch-administrativen Aufgaben unterstützen, etwa beim Strukturieren von Dokumenten und beim Aufbereiten von Informationen. Ziel ist, Routineaufwand zu senken und Zeit für Patient:innen zu gewinnen.

Ein Medizinprodukt ist die Plattform ausdrücklich nicht. „Clé ist in der derzeit freigegebenen Form nicht für Diagnosen oder Therapieentscheidungen vorgesehen“, betont Meyer. „Die fachliche Verantwortung bleibt bei den behandelnden Fachkräften.“ Ergebnisse der KI müssten stets kritisch geprüft werden.

Wie groß der Hebel im administrativen Bereich ist, zeigt ein Pilotprojekt: Die Umwandlung von Dokumenten in strukturierte Daten sank von durchschnittlich 30 auf zwei Minuten – bei 1.800 Dokumenten entspricht das 105 eingesparten Arbeitstagen. Weitere Anwendungsfelder sind Wissensdatenbanken, automatisierte Übersetzungen, die Auswertung von Formularen sowie Erlös- und Personalmanagement.

In der Forschung lassen sich über die Schnittstellen eigene Anwendungen entwickeln und große Text- und Dokumentenbestände sicher analysieren. Zugleich wird die Plattform selbst zum Forschungsgegenstand: Unter kontrollierten Bedingungen lässt sich untersuchen, wie Sprachmodelle in der Medizin sicher und effektiv eingesetzt werden können. In der Lehre kommt sie unter anderem bei der Vorbereitung von Materialien zum Einsatz.

Nächste Stufe: KI-Agenten

Die Plattform ist von Beginn an als Basis für Agentensysteme angelegt, die mehrstufige Aufgaben eigenständig bearbeiten – Dokumente auswerten, Daten zusammenführen, Entwürfe vorbereiten, klinische Prozesse automatisieren. Über die Programmierschnittstelle entstehen erste solcher Anwendungen bereits heute in Forschung und IT.

„In den nächsten Ausbaustufen sollen Agenten in einer abgesicherten Umgebung direkt in der Oberfläche arbeiten und schrittweise an Charité-Systeme angebunden werden“, so Meyer. „Dabei gelten dieselben Grundsätze wie heute: Daten und Kontrolle bleiben in der Charité und die Verantwortung bei den Menschen.“

Berliner Ökosystem: entwickelt von Ascléa

Gebaut wurde Clé von der Ascléa GmbH, einer Ausgründung von Charité und Deutschem Herzzentrum der Charité. Betrieben wird die Plattform gemeinsam mit dem IKIM und dem Geschäftsbereich IT auf Charité-eigener Infrastruktur; der Bereich High Performance Computing betreut den Hochleistungsrechner, auf dem die Modelle laufen. Unterstützung kommt vom Center of Technical Excellence, die regulatorische Begleitung vom Geschäftsbereich Governance, Compliance und Datenschutz.

Ascléa ist im Berliner Ökosystem kein Unbekannter: Das Unternehmen ging aus x-cardiac hervor, bekannt für KI-Werkzeuge zur Vorhersage von Komplikationen nach Herzoperationen, und schloss im Juli 2026 eine Series-A-Runde mit den neuen Investoren Quercus und Catalpa Ventures an der Seite der Bestandsinvestoren IBB Ventures und mehrerer Business Angels ab. Zwei CE-zertifizierte KI-Medizinprodukte sind bereits am Markt.

Transparenzhinweis der Charité: Alexander Meyer ist Mitgründer, Gesellschafter und einer der Geschäftsführer von Ascléa. Die Charité ist über ihre Technologietransfer-Partnerin Ascenion an Ascléa beteiligt, nutzt die Plattform unentgeltlich und ist am Umsatz beteiligt; Zahlungen der Charité an Ascléa erfolgen nicht. Die vertraglichen Grundlagen wurden von den zuständigen Stellen der Charité verhandelt und freigegeben.

Quelle: Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin vom 17. September 2026.

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