© Bela Wiertz
„Berlin hat in Kontinentaleuropa eines der größten Wachstumspotenziale.“
Bela Wiertz, Gründer von {Tech: Europe}
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In nur wenigen Jahren ist {Tech: Europe} unter Bela Wiertz' Führung zur größten Builder-Community in Europas führenden Tech-Hubs gewachsen – mit Hackathons in sieben Städten, einem physischen Builder-Space in Berlin und nun der Applied AI Conference am 28. Mai. Die Mission seines Teams: der Klebstoff zu sein, der Europas verteilte Ökosysteme zusammenhält – und den besten Buildern des Kontinents jeden Grund zu geben, hier zu bleiben und aufzubauen.
Im Interview spricht Bela darüber, was ihn dazu bewogen hat, {Tech: Europe} zu gründen, warum Berlins internationaler Charakter der Stadt mehr Spielraum nach oben gibt als den meisten europäischen Hubs – und was es braucht, um die nächste Generation wirklich globaler Tech-Unternehmen in Europa aufzubauen.
{Tech: Europe} ist in wenigen Jahren zur größten Builder-Community Europas gewachsen – mit Fokus auf die „-1 Stage": die Phase, bevor eine Firma gegründet, inkorporiert oder finanziert wurde. Was hat dich dazu bewogen, das aufzubauen – und warum braucht Europa das gerade jetzt?
Der Ausgangspunkt war ein Problem, das ich selbst hatte. Ich war in Berlin und fand keine Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, die interessante Dinge bauen. Den ersten Hackathon haben wir eigentlich veranstaltet, weil ich selbst nach einem gesucht habe, an dem ich teilnehmen konnte. Als ich keinen fand, habe ich einfach angefangen: „Mach es selbst." Ich glaube, weil Europa ein so verteiltes Ökosystem ist, braucht es Akteure, die als Bindeglied fungieren und die richtigen Menschen zusammenbringen.
Berlins Tech-Ökosystem hat nach der Ära von Rocket Internet und durch die Zeit nach Corona eine ruhigere Phase durchgemacht. Jetzt siehst du ein neues Momentum, geprägt von jüngeren, technischeren Gründer:innen mit globalem Anspruch. Was hat sich verändert – und was treibt diese neue Energie an?
Ich glaube, das ist kein Phänomen, das nur auf Berlin beschränkt ist. Überall in Europa sieht man, dass Menschen sich durch KI ermächtigt fühlen. Sie sehen, was möglich ist, und erkennen, dass man von überall aus aufbauen kann. Berlin hat dabei besonders viel Potenzial, weil es eine sehr internationale Stadt ist, in der Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen zusammenkommen. Der Einstieg ins Ökosystem ist für Außenstehende vergleichsweise einfach.
Berlin zieht Talent aus ganz Europa an – wegen der Talentdichte und der Lebensqualität der Stadt. Wie unterscheidet sich das von Hubs wie München, Zürich oder Stockholm – und was macht Berlins Ökosystem einzigartig?
Hubs wie München, Zürich und Stockholm schöpfen ihren Nachwuchs vor allem aus dem lokalen Universitätsumfeld – das ist etwas, das Berlin tatsächlich fehlt. Eine leistungsstarke technische Universität, die eng mit dem Startup-Ökosystem verzahnt ist, wäre ein echter Gewinn. Gleichzeitig hat Berlin genau dadurch eine größere Vielfalt und mehr Spielraum nach oben: Das Ökosystem ist nicht von einer einzigen Talentquelle abhängig.
Von Hackathons in sieben europäischen Städten bis zu The Sandbox, deinem dreimonatigen Zero-Equity-Programm in Berlin – wie hängen diese Formate zusammen, und was braucht es, um Europas beste Builder hier zu halten statt sie ins Silicon Valley zu verlieren?
Man muss den Menschen schlicht überzeugende Gründe geben, ihre Unternehmen hier aufzubauen. Wer zu sehr auf Patriotismus setzt, löst das Problem nicht. Es geht darum, echte Angebote zu schaffen und ein Umfeld, in dem Menschen aufblühen können. Alles, was wir tun – ob Hackathons, die Sandbox oder neue Formate wie die Konferenz – arbeitet auf genau dieses Ziel hin.
Die Applied AI Conference am 28. Mai in Berlin bringt Teams zusammen, die KI-Systeme in der Praxis bauen und betreiben. Warum war das der richtige nächste Schritt für Tech: Europe?
Wir hatten das Gefühl, dass es kein zeitgemäßes Event-Format gab, das die Menschen zusammenbringt, die bereits Produkte in der Produktion betreiben. Wir haben viele Formate für Menschen entwickelt, die gerade erst anfangen und experimentieren – aber auch auf einer späteren Stufe braucht man Räume, um zusammenzukommen, Ideen auszutauschen und zu zeigen, was möglich ist. Deshalb haben wir entschieden, ein neues Konferenzformat aufzubauen, das genau das leistet.
Deine Vision ist es, in den nächsten zehn Jahren mindestens zehn Tech-Unternehmen mit einer Bewertung von je 100 Milliarden Dollar in Europa zu ermöglichen. Wo steht Europa heute – und was muss passieren, damit das Realität wird?
Europa hat im 21. Jahrhundert bislang ein Unternehmen über hundert Milliarden hervorgebracht: Spotify – und auch das hängt von den Schwankungen des Aktienmarkts ab. Es gibt noch zu viele Stellschrauben, die sich gleichzeitig in die richtige Richtung drehen müssen.
Der entscheidende Hebel ist meiner Meinung nach das Mindset und die Größe des Ehrgeizes. Wir brauchen mehr Menschen, die ein Unternehmen über eine Milliarde, über zehn Milliarden hinaus aufbauen – nicht wegen finanzieller Anreize, sondern aus dem Antrieb heraus, etwas zu schaffen. Dafür brauchen wir auch etwas mehr von der amerikanischen Haltung, Größe als etwas Positives zu betrachten. In der Tech-Szene ist das bereits verbreitet – in der breiten europäischen Gesellschaft noch nicht.
Wie sieht das nächste Kapitel von {Tech: Europe} aus – und welche Rolle siehst du Berlin in der Zukunft des europäischen Tech-Ökosystems spielen?
Wir befinden uns noch sehr am Anfang, würde ich sagen. Es liegt noch so viel vor uns. Unser Ziel ist es, das Bindeglied zu sein, das die europäischen Ökosysteme zusammenhält und sie dadurch als Einheit erlebbar macht. Damit wollen wir Gründer:innen von der allerersten Phase an begleiten – bis hin zu dem Punkt, an dem sie große Unternehmen aufgebaut haben.
Berlins Rolle dabei: Ich glaube, die Stadt hat in Kontinentaleuropa eines der größten Wachstumspotenziale. Besonders auf dem KI-Anwendungs-Layer wird Berlin eine wichtige Rolle spielen – die verschiedenen Ökosysteme spezialisieren sich zunehmend, und Berlin ist gut positioniert, seinen eigenen Schwerpunkt zu besetzen.
Hinweis: Dieses Interview wurde ursprünglich auf Englisch geführt und im Nachhinein ins Deutsche übersetzt.